Ironman Kalmar- Raceday !

Endlich,....Raceday!! Obwohl ich mir um 04.00 Uhr in der Früh den Wecker gestellt hatte, wachte ich ganz ohne Murren wie von Geisterhand alleine auf. Wie erwartet, war die Nacht vor dem großen Tag eine sehr kurze. Allerdings beruhigte mich seit langem das Wissen, dass die vorletzte Nacht die entscheidende vor so einem Event wäre, und nicht die letzte. Ich versuchte weiterhin im Bett liegend Ruhe zu bewahren und schrieb ein paar letzte SMS an Familie und Freunde. Langsam war auch Tom am Aufwachen und ich schlüpfte bereits in mein Triathlon Outfit.   Die Aufregung hielt sich auf dem Weg zum Frühstück noch in Grenzen. Auch wenn man schon Tisch an Tisch mit Profis wie Leanda Cave und Co. am Essen war. Danach noch mal ein kurzer Check am Bike: Schutzhülle entfernen, Luft und alles am Bike überprüfen. Wechselbeutel nochmals Aufsuchen und checken.
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Letzter Check vom Wechsel-beutel und Fahrrad!IMG_0356
      Da das Hotel genau zwischen Wechselzone und Schwimmstart liegt, konnten wir in aller Ruhe – abseits der Massen – auf unserem Hotelzimmer in den Neo schlüpfen, Mütze aufsetzen und Brille richtig platzieren. IMG_0366  
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Mütze sitzt, Brille sitzt, jetzt ab zum Start! Es kann losgehen.
  Das war eine echte Wohltat, denn verständlicherweise waren alle Athleten und deren Begleiter aufgeregt. Wechselbeutel für danach noch in der Sammelbox geworfen und schon waren wir am Schwimmstart. Es war dieses Jahr Premiere für einen rollenden Start. Das bedeutet, man konnte nach den Profis ab ca. 07.05 bis 07.15 Uhr ins Wasser. Es gab wie beim Marathon Pace Einteilungen mit der zu erwarteten Zielzeit. Wir ordneten uns bei 1 Stunde 20 Minuten in die Schlange.   Die letzten Minuten vor dem Start waren wirklich grausam. Mir liefen vor Angst und Freude die Tränen herunter und ich zitterte. Ich stand am Start… die Profis waren bereits unterwegs und ich konnte es immer noch nicht glauben. Jetzt ist es soweit: ich stehe am Start meines ersten Ironman! Und ich hatte genau zwei Dinge im Kopf: „It´s gonna be a long day“ und „Race with a smile“. Ein letzter zuversichtlicher und stärkender Blick von Tom und einen Klapps auf meinen Hintern und schon waren Tom und ich im Hafenbecken von Kalmar und starteten mit vielen anderen Athleten in unseren Ironman. Das Wetter in der Früh war einfach genial: Strahlend blauer Himmel und das Wasser relativ ruhig. Gestartet wurde im Hafenbecken und ein großer Bogen wurde im Brackwasserbereich geschwommen. Das einzige was mich ein wenig irritierte, waren die unzähligen Quallen, die allerdings harmlos waren. Danach gings in einen Art Kanal entlang der Hafenmauer hinein in das flachere Wasser, das leider schon braun eingefärbt war, durch die vielen Athleten vor mir. Die Zeit raste und bis ich mich versah, krabbelte ich schon aus dem Wasser und rannte in die Transition 1 um meinen Beutel zu suchen. Die angebotene Dusche nutze ich gar nicht. (Ich hab’s übersehen 🙂 ) 3,8 km Schwimmen: done !   Kurz den Neo aus, mit Sonnencreme eingesprüht und einen Schluck getrunken und ein Gel zu mir genommen war ich auch schon in meinen Radschuhen bewaffnet mit Helm und Startnummer auf dem Weg zu meinem Rad. Mir war nach dem Schwimmen ein wenig schwindelig, was schnell wieder verflog.   Ich sprang auf mein Rad und freute mich jetzt schon riesig auf die Brücke in Richtung Öland. Die Radstrecke war ein Traum: Der Start in der jubelnden Menge von Kalmar, danach die 6 km lange Brücke auf die Insel Öland. Öland war eine absolute Perle. Die man knapp 100 km genießen konnte. Immer wieder tolle unberührte Landschaften wie aus dem Bilderbuch von Astrid Lindgren. Die Menschen auf der Insel haben ihr gesamtes Inventar auf die Straße geräumt und machten es sich zur Tagesaufgabe alle Athleten lautstark zu unterstützen. Wenn ich daran denke, bekomme ich jetzt noch Gänsehaut. Im Laufe des Mittags ist leider recht starker Wind aufgekommen und einige Gewitter zogen durch. Eine Passage auf Öland war ich stark am kämpfen und zu meinem Entsetzen war das erst bei ca. km 100. Kaum war ich auf dem Festland angekommen, wurde ich von einem kurzen aber heftigen Gewitterschauer überrascht, der zum Glück genauso schnell wie er kam auch wieder ging. Das erstaunlichste: Es blieben alle Zuschauer. Manche mit manche ohne Schirm. Aber die Schweden sind wirklich im Herzen kleine Wikinger die nichts erschüttern kann.:-) Die letzten 60 Kilometer waren mental mehr als hart auf dem Rad. Obwohl die Landschaft, die welliger war als gedacht, absoluten Ausflugscharakter bot und zudem abwechslungsreich war, wollte ich einfach nur noch eins: ankommen und runter von dem Ding. Alle 20 Kilometer gab es Verpflegungsstationen um die Vorräte von Essen und Trinken aufzufüllen. Auf meinen letzten Radkilometern entdeckte ich schon Unmengen an Athleten auf der Laufstrecke und als ich zu meiner größten Überraschung Tom sah, war ich wieder hochmotiviert und rollte die letzten Meter in die Transition 2 mit einem schönen Lächeln ein.   180 km Rad: done !   Kurz das Rad und den Helm abgelegt und den Wechselbeutel fürs Laufen geschnappt. Erst jetzt schaltete ich die Garmin Uhr ein. Um mir keinen unnötigen Druck zu machen, wollte ich das Schwimmen und Radfahren rein auf Gefühl machen. Noch rein in die CEP-Strümpfe und schon war ich noch etwas komisch herumeiernd auf den Beinen.
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... zügig geht es in die erste Runde...
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Konzentrierter Blick...
  Ich bemerkte relativ rasch,dass es doch etwas zu viel Bananen waren auf der Radstrecke und jagte die ersten Kilometer alle verfügbaren Dixis –
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Schnell weg vom Dixi...
  war aber somit auch erst mal beschäftigt. Ich machte mir gar keine großen Gedanken über die lange Laufdistanz die vor mir lag. Ich genoss die erste der drei Runden einfach und schaut mir die wunderschöne Gegend und die anderen Athleten an. Runde zwei war wohl die quälendste von allen: Zum einen machte sich langsam so nach über 10 Stunden der Körper bemerkbar und zum anderen durfte man nach den 2 km in Kalmar Stadt direkt immer am Finish vorbeilaufen wo die Profis und anderen Athleten bereits gefeiert wurden. Was mich am Ende  Runde zwei am meisten freute: Ich traf Tom, der bereits auf seinen letzten Kilometern unterwegs war. Erst da bemerkt ich, dass ich kaum mehr Stimme hatte und sehr nah am Wasser gebaut war. In der dritte und letzten Runde setzte bereits die Abenddämmerung ein, und langsam wurde es dunkel. Ich war überglücklich als ich endlich das lang ersehnte Bändchen ganz stolz an meinen Arm machte, und mich bei allen Helfen bedanken und verabschieden konnte. Das war schon ein sehr schöner und emotionaler Moment. Als ich dann in Richtung Kalmar auf den letzten 2 Kilometern war, ging das Grinsen in ein fast irres, unnatürliches Grinsen über und trotz Seitenstechens fühlte ich mich wie beflügelt durch die Blicke von den Menschenmassen die voller Hochachtung jeden Athleten bejubelten. Obwohl ich mich kaum mehr bücken konnte, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, so viele kleine Kinderhände wie möglich abzuklatschen, die durch die Absperrungen gestreckt wurden.
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Ziel erreicht! Mission accomplished!
Tom wartete bereits in der Stadt und ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich die letzten Meter in den Zielkanal lief. Und nun war es nach Jahren endlich soweit. Ich hörte diesen einen ganz bestimmten Satz beim Einlaufen in den Zielbogen: „PETRA, YOU ARE AN IRONMAN!“ Mit Gänsehaut übersäht und nach Luft schnappend wusste ich nicht, ob ich jubeln, weinen oder einen Luftsprung machen sollte. Ich tat alles zusammen und genoss einen der wohl emotionalsten Momente meines Lebens, den ich nie vergessen werde und der alles wert war. 42,195 km Laufen: done !   IRONMAN KALMAR 2014 – finished!    

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