Vichy Ironman 70.3

Vichy Ironman 70.3

durch Tom VdHeuvel

Es sollte nicht einfach werden…. Ende 2015, nach einer Trainingsrunde, stellte sich die Frage was in 2016 so auf den Programm stünde. Für einige ( Manu, Andrea und Teresa ) war da schon klar dass Roth im Vordergrund steht! Die intensive und lange Vorbereitung für eine Langdistanz war für uns, nach 2014 Kalmar, beruflich nicht zu kombinieren,dazu kam der Wunsch Christians Ziel, nämlich eine Mitteldistanz, in 2016 zu schaffen uns auch Recht. Dann kam die Frage natürlich, welche es sein sollte. Voraussetzung war schon mal ein landschaftlich reizvoller Kurs, mit einer flüssig zu fahrenden Radstrecke und wenn möglich, kein Salzwasser beim Schwimmpart. Terminlich wäre Mitte bis Ende August ideal, und mit all diesen Infos sind wir zusammen auf die Suche gegangen nach einem geeigneten Wettkampf. Die Wahl ist letztendlich auf den Ironman 70.3 Vichy gefallen, auch weil die Sprache kein Problem darstellen sollte, man spricht ja Französisch! Ziel klar gestellt, Anmeldung gemacht, und Marschroute festgelegt. Teilnehmen würden Petra, Christian und Tom. Die Vorbereitung hat angefangen mit einem Crosslauf in Dachau, ist über den Eggenhofener Silvesterlauf, Lohhofer Osterlauf weitergeführt worden um dann in der spezifischer Vorbereitung zu enden. Bei Petra lief alles super: mit u.a. einem Trainingslager im Club La Santa zusammen mit Teresa, dazu viele gute Radeinheiten und Lauftrainings die für eine super Ausgangslage gesorgt haben! Tom dagegen hat viel Pech gehabt, Rückenprobleme waren das eine, lange Geschäftsreisen das andere. Der größte Pech aber war der entzündete Hundebiss der für eine 2-monatige Pause ohne Training gesorgt hat, wobei Antibiotika den Trainingszustand komplett zunichte gemacht haben. Die muskulären Disbalancen sorgten für anschließend wiederkehrende Rückenprobleme und gefährdeten das Rennen, bis einen Tag vor dem Startschuss! Christian hatte eine stetige aber schwere Vorbereitung, gerade weil der Job ihm viel Reisezeit abverlangt! Dennoch hat er auch diese Probleme gemeistert und konstant die Kombination Training/Job im Gleichgewicht gehalten. Natürlich gibt es auch hier in Abwechslung erfolgreichere und nicht so sucessvolle Perioden, dennoch war ich mir, als Coach, sicher dass beide sehr gut trainiert waren um die Ziele zu erreichen. Tja, was waren die Ziele eigentlich? Hauptziel ist immer das jeder das Ziel gesund erreicht. Dennoch gibt es die „versteckten“ Ziele. Für Petra war es ein geheimer Wunsch, die 6-Stunden Marke zu knacken. Für Christian dagegen war ein Finish innerhalb der Zeitgrenze das Ziel. Beides war in meinen Augen absolut machbar. Wenn alles passt.   Anreise nach Vichy   Auf der Route nach Vichy haben wir einen herrlichen Zwischenstopp in Colmar eingeplant, was ungefähr halbwegs lag. Ein wunderschönes Städtchen, feine Innenstadt und nette Leute. Auch um sich hier langsamer Hand an die französische Kultur zu gewöhnen, war das der ideale Einstieg.     Einen Tag später fahren wir weiter nach Vichy, die Stadt bekannt wegen seiner Pflegeprodukte und den viele Quellen - entstanden aus der vulkanischen Landschaft um die Stadt herum. Da wir die Radstrecke nicht gekannt hatten, sind wir am gleichen Tag mit dem Auto die 90 Kilometer abgefahren. So haben wir einen Eindruck über die Schönheit der Gegend bekommen. Leider waren nicht alle Straßen sooooo toll und deshalb waren wir froh manche Ecken vor dem Rennen entdeckt zu haben!   Startnummerabholung und Check-in     Am Freitag wurde es dann langsamer Hand ernst: Am Vormittag, nach einem schönem Frühstück, war dann die Startnummerabholung und ein Gang über der Triathlon-Messe eingeplant. Absolut notwendig weil man möchte auch später noch erinnert werden an seine Exploits. 🙂 Was ein feines Schmankerl seitens Ironman war: wir waren als Mannschaft registriert und hatten deshalb aufeinander folgende Startnummern. Super Idee und nochmals danke @Birgit !! Echt Klasse! Einige Eindrücke was alles bei der Einschreibung stattfindet:   Im Anschluss wieder Richtung Hotel, um sich bereit zu machen für den Bike-Check in. Beutel herrichten, Helm bekleben, Fahrrad bekleben, Gels zusammen packen, kurz: Rennvorbereitungen treffen und abschließen. So schaut es dann aus: Um circa 17.30h fahren wir dann zur Dritt zum Eventgelände, ca. 2km vom Hotel entfernt, und Kathrin begleitet uns mit dem Auto so dass wir gemütlich wieder zurückfahren können. Ein richtiges Verkehrschaos weil wir anscheinend nicht die einzigen waren mit dieser Idee, dennoch: dank eines netten Ordners hat er Kathrin die Durchfahrt auf das Gelände gewährt, was außergewöhnlich war. Bike Check-in war dann recht flott, Beutelabgabe sehr gut organisiert und beim Ausgang Chip-Empfang wobei alles digital erfasst worden ist. Wenn das Digitalisierung ist, dann darf es so überall sein, war beeindruckend einfach und alles gut abgesichert. Dann das Racebriefing angehört und … .   War es das schon? Jope. Jetzt heißt es was Essen gehen, früh ins Bett und dann,… RACEDAY!   Raceday   Halb Fünf geht der Wecker. Halb fünf. So früh. Petra war schon wach, hat sich ein kleines Brot gemacht und isst schon gemütlich. Ausgemacht war um halb sechs Abfahrt, weil um 6.50h der erste Start war. Ein wenig Puffer hatten wir eingeplant, dennoch war es ein strikter Zeitplan. Kurze Dusche, bei Christian angeklingelt ob da jeder wach war, und dann für mich die Entscheidung treffen können dass ich doch starten werde, weil der Rücken gehalten hat und nicht mehr schlimmer geworden ist.   Um halb sechs, wo es noch schön dunkel ist, mit Neopren in der Hand (die Hoffnung für eine Neoerlaubnis stirbt zuletzt)  ins Auto gestiegen und eine Flasche Wasser in der Hand um den Durst zu stillen. Mir wäre ein Kaffee auf der Terrasse mit einem Frühstück doch lieber. 🙂 Da betreten wir die Wechselzone, pumpen die Räder noch auf, machen die Getränke ans Fahrrad und da hören wir die erwarteten Worte: Neoprenverbot! Wasser hat 25,3° und das ist effektiv zu viel. Es wird also ein etwas längerer Tag werden.   Zusammen stehen wir am „Rolling Start“, und wünschen einander noch alles Gute. (Ein Rolling Start ist ein Prozedere wobei die Zeit genommen wird in dem Moment wo die Zeitmatte übergangen wird, also entzerrt sich das Starterfeld enorm und ist Teil des SwimSmart Programmes, um die Sicherheit im Wasser zu erhöhen und den Stressfaktor beim Schwimmen zu verringern.)   Als Coach kann ich hier melden dass meine Einschätzung sein würde, Christian schafft es recht locker, Petra wird mich beim Laufen einholen und vorbeirennen, und für mich wird es beim Laufen sehr schwer. Teils durch die nicht-vorhandenen Trainingskilometer, teils durch die angesagte Hitzewelle mit Temperaturen von weit über 40° in der Sonne!!   Einmal im Wasser ist es klar dass ein Neo hier nix zu suchen hat, so warm war das Wasser. Hoffentlich kommen alle gut durch. Für Christian war ein Rolling Start super, weil er dadurch entspannt seinen Schwimm-Stiefel durchziehen kann, ohne groß an Kloppereien teilnehmen zu müssen. Petra dagegen sieht es sogar noch als Vorteil ohne Neo zu schwimmen weil sie dann mehr Freiheiten hat. Jeder so wie er/sie es mag, und während ich mir diese Gedanken mache, sehe ich schon die Markierungen „500M“ neben mir. Das ist für mich (neben den tollen Startnummerntattos für den Körper) auch das erste Mal wo ich Distanzen beim Schwimmen entdecken kann, find ich aber sehr gut. Die Strecke geht einmal den „Kanal“ rauf, und dann wieder runter vorbei am Startbereich um dann Richtung Ausstieg ein wenig weiter. Ab in die Wechselzone - wobei ich merke die Beutel vom Christian und Petra hängen noch da. Mein Bade-Outfit, vom Speaker noch angekündigt als die schönste Badehose aus dem Feld 🙂 , musste dann halt getauscht werden in ein Rad-Renn-Outfit, und das dauert. Petra dagegen hat ihre Radbekleidung schon im Wasser getragen und war deshalb unbemerkt an mir vorbeigerannt. Logisch, weil die beiden Umkleiden getrennt waren. Also locker zum Rad, den Carbon-Esel in die Hand genommen und geführt bis zum Wechselzonen-Ende, wo ich dann aufsteigen darf. Der Radpart fängt an, und auch der Tag, der sich angekündigt hat als sehr heiß, wird wärmer und wärmer- und es wird noch heißer! Beim Fahren in der vulkanischen Gegend, gleich hüglig, fällt mir die Naturpracht auf wo zwischen den Hügeln noch leicht der Nebel hängt. Wunderbar. Die Radstrecke ist echt schön. Flüssig zu fahren, zwar recht häufig rauf und runter, aber immer flüssig. Bis mir kurz nach Erreichen der 25km und der Labestation ein mir bekanntes Dress beim Fahren auffällt. Auch diesen Fahrstil kenne ich doch. Ja, da war Petra- sie war lange vor mir her gefahren (obwohl sie einen kleinen Kampf mit ihrer Fahrradkette hatte die ihr rausgesprungen ist). Ein Klapps auf den Hinten, ein „ooooh“ später und ich war vorbei. 5 km später plötzlich ein „Hallo“ und ein „zuuuuuuuffff“ und da war Petra wieder mir vor die Räder gehuscht. Ich bin kurz hinter ihr geblieben, natürlich mit der notwendigen Distanz ( 12m), um dann wieder die Geschwindigkeit aufzunehmen und weiter zu fahren. Das resultierte in einem Bike-Split der im Rahmen war ( 91,1km in 2h58m war die erwartete 30km/h). Beim reinschieben in die Wechselzone habe ich bemerkt dass Christians Rad weg war, das bedeutet er war auf der Strecke also hat er den Swim-Cut-off geschafft. Das war gut zu wissen. Laufbeutel genommen, Shirt ausgewechselt, Keppi aufgesetzt und Flasche Wasser aus dem Beutel genommen und dann geht es auch schon wieder weiter. Noch ein Danke für die vielen sehr sympathischen Helfer, und dann galt es: ab in die glühende Hitze. Es war Mittag, und die Sonne stand fast am Zenit. Das bedeutete Temperaturen im Schatten von 37° aufwärts. Sonnentemperaturen sind dann noch höher, und auch da muss man als Triathlet durch. An jeder Verpflegungsstelle genügend zum Trinken, Banane und meine Gels damit die Energiezufuhr nicht unterbrochen wird. Dennoch merke ich schnell dass ich eigentlich nicht fit für diese lange Distanz bin und fange an die wunderbare Gegend zu genießen. Tolle Häuser, eine Wasserfläche mit Wasserski-Akrobaten und einen Park der gepflegter nicht sein könnte. Eine schöne Strecke, mit zweimal der Passage am Hotel vorbei, die teils schattig war, aber teils so unbarmherzig in der Sonne lag und die Temperatur im Körperinneren gefühlt auf Sauna-Ebene lag. Dennoch war überall Wasser, Duschen und Verpflegung vorhanden und die Organisatoren haben alles Mögliche getan um die Athleten zu versorgen und zu kühlen. Nach ca. 5km ist Petra dann an mir vorbeigezogen, und schwupp, weg war sie!! Da merkte man, wie gut sie trainiert war, und dass die langen Sachen ihr unheimlich viel Spaß machen. Die Laufstrecke war ein 2-Runden kurz, wobei einmal schon im Stadion eingelaufen werden darf, um dann wieder diesen Beriech zu verlassen für die zweite Runde. Da bemerke ich Kathrin die uns anfeuert und dann geht es für mich auf die zweite Runde. Beim Vorbeilaufen an den Fahrrädern halte ich Ausschau nach ein Cannondale Rad mit der Nummer 360. und jope, es steht da, das bedeutet Christian ist auch auf der Laufstrecke, also scheint er es auch geschafft zu haben!! Zweite Runde, gleiches Leid, obwohl jetzt die Erfahrung durchsetzt und man weiß dass es irgendwann zu Ende geht. Nochmal die Laufstrecke anschauen, das Hippodrom mit Stadion angeguckt, sich bei den Helfern bedankt, durch den Park und die lange Promenade in der Hitze auf dem Weg ins Ziel. Petra war schon da, nach 6h15m war sie ins Ziel, und der Einlauf ist schon toll. Obwohl wegen der Hitze wenig Leute noch anwesend waren, und der Zielbereich nicht überschattet war, ist es das Ziel des gesamten Tages. Jedes Mal wieder ein ergreifendes Gefühl. Petra hat mir die Medaille umgehängt, und gleich ein Wasser in die Hand gedrückt, weil das schon notwendig war. Und dann hieß es Christian im Ziel empfangen. Eine Nachfrage beim Zeitmesser meldete uns auf welcher Höhe er schon war und wann er im Ziel erwartet wird, und dann war es so weit, auch Christian erreicht das Ziel. Müde aber mit Zielsprung ist Christian jetzt auch Mitglied im Club der Mitteldistanzler!! Sein Finish ist umso stärker einzuschätzen, weil er, durch eine Beton-Erhöhung beim Schwimm-Ausstieg  mit seinem Fuß dagegen geschlagen ist. Deshalb war der Zeh angebrochen, und damit zu radeln und zu laufen war eine sehr starke Leistung. Das Finisher-Shirt muss man sich ja verdienen!!   Ziel für Christian also erreicht. Wie ist es mit den anderen Ziele gestellt? Für Petra war das Ziel schon im Vorfeld kaum noch machbar, auch weil das Gesundheitsrisiko sehr hoch war um „all.in“ zu gehen. Daher bleibt dieses Ziel noch ein wenig bestehen. Insgesamt war ich zufrieden dass ich gesund mein Finish geschafft habe, wobei es klar war das Laufen würde lange dauern, zudem die heißen Temperaturen die die Situation nicht verbessert hatten. Dafür habe ich die schöne Stadt genossen und sehr viel wunderbares entdecken dürfen! Letztendlich waren alle froh gesund angekommen zu sein!   Im Zielbereich haben wir uns noch eine Kleinigkeit gegönnt, anschließend zum Bike-Check-out gegangen und unseren Chip wieder abgegeben. Eine reibungslose Organisation!!   Gemütlich rollen wir Richtung Hotel, tun gleich die Räder aufs Auto und dann heißt es: erholen und genießen. Langsamer Hand verschwindet der Ärger (Angebrochener Zeh, Hauen beim Schwimmen,..), gewinnt auch bei Christian der Stolz auf das Geleistete und wird das grinsen grösser und grösser! Ein Riesen-Danke an Kathrin die die ganze Zeit das fachsimpeln ertragen musste, uns geholfen hat und überall mit dabei war. Danke :-). Noch einige Eindrücke: