Roth 2016, die Geschichte vom „ersten Mal Langdistanz“ !!

Roth 2016, die Geschichte vom "ersten Mal Langdistanz" !!

durch A. Becker-Pennrich

  Endlich war es da: das große Wochenende, auf das ich seit einem Jahr gewartet hatte. Der Urlaub war beantragt und genehmigt, das Auto gepackt und wir startklar. Also gings Freitag in der Früh gleich los, schließlich wollte ich noch ein bisschen auf der Messe stöbern, die Schwimmstrecke ansehen und testen, eventuell nochmal am Rad schrauben, finale Einstellungen vornehmen, Stimmung genießen und und und. Natürlich hat das alles nicht so geklappt, aber mehr dazu später. So kamen wir mittags in Roth an und hatten schon direkt Schwierigkeiten einen Parkplatz zu finden. Den dann endlich gefunden, kam auch schon die erste Nervositätswelle. Zum Glück legte sich das wieder, sobald wir das Gelände betreten und ich die ersten New Balance Schuhe in der Hand hatte. Doch dafür war eigentlich keine Zeit, denn die Startunterlagen wollten schließlich auch abgeholt werden.   Also ab zum Zelt, die Startnummer nennen (hat die mich überhaupt richtig verstanden mit dem wie fest zementierten Grinsen im Gesicht?) und die Beutel erhalten. Klasse! Überglücklich verließen wir das Zelt und freuten uns auf die Pastaparty. Die restliche Zeit nutzten wir um uns die Messe anzuschauen, ein paar Riegel und Gels zu kaufen und eine vibrierende Blackroll auszuprobieren. Sehr cool! Achja, konnte ich nicht vielleicht noch ein paar neue Radschuhe gebrauchen? Die sind hier grade so günstig... So endete unser erster Tag also mit einem neuen Zweiteiler von Zoot (danke Annick!), einem neuen Paar Radl-Schuhen, 10 Gels und Riegeln sowie ca. 5 Alpro Quarkalternativen. War doch recht erfolgreich.   Und nun ab zur Pasta-Party, auf der es überraschenderweise leckerer war als erwartet. Anschließend ging es dann doch nochmal zu den Physio-Therapeuten, die heute umsonst die Athleten getapet haben. Bunt beklebt ging es dann zurück in unser kleines und sehr feines Hotel in Weißenburg. Trotz des Altstadtfestes, das direkt vor unseren Fenstern statt fand, konnten wir sehr gut schlafen und begruben daher schnell den Plan, am nächsten morgen um 7:00 die Schwimmstrecke nochmal zu testen. Als der Wecker dann schließlich klingelte, entschieden wir uns doch für ein paar weitere Stündchen  Schlaf. Den Samstag nutzten wir dann für finale Radeinstellungen und Schlange stehen vor dem Bike-Checkin. Direkt am Eingang traf ich völlig unerwartet Manu und Teresa. Noch war die Nervosität nicht so hoch und wir schauten uns die Wechselzone genau an. Da kamen also unsere Bike-Beutel hin, dort stand unser Rad. Na hoffentlich fanden wir das morgen dann auch wieder. Auf dem Rückweg zum Messegelände sahen wir uns die Laufstrecke nochmal an und versucht den perfekten Standpunkt für den privaten Support zu finden. Dann gings ab zum Briefing und schließlich zum Abendessen. Zurück in Weißenburg packte ich dann meine Taschen zum dritten Mal aus und wieder ein, damit ich auch nichts vergessen hatte. War alles im richtigen Beutel verstaut? Brauchte ich nachher nur einen Pulli oder auch eine lange Hose? Wo packe ich die Haarbürste ein? Und wie viel Gels passen in meine Flasche, damit es mit einem Spritzer Wasser noch trinkbar ist (die Antwort: 16 Stück)? Nachdem alles nun mehrmals auch mit meinem Freund gegengecheckt wurde, entschieden wir uns für ein Anti-Nervositäts-Bier auf dem Altstadtfest. Die Idee hatten wohl noch einige andere Roth-Teilnehmer, sodass man sich verhalten grüßte. Um 21:45 lagen wir dann aber doch brav im Bett und sprachen die Logistik für den nächsten Tag nochmal durch. Sollte also alles passen. Gute Nacht! Punkt 3:45 klingelt der Wecker. Kaffee kochen. Toastbrot, Honig, Ovomaltine. Passt. Duschen, Haare föhnen, Tape checken. Rennkleidung anziehen. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Also los gehts. Um 4:40 fuhren wir dann endlich los. Langsam ging die Sonne auf. War der zweite Kaffee doch zuviel? Wo blieb die erwartete, überwältigende Nervosität? Bisher blieb sie aus. Also Parkplatz suchen, Pumpe mitnehmen, Dixie benutzen, Reifen aufpumpen, zurück zum Auto. Das war der Plan. Bis zum Eingang der Wechselzone kamen wir auch. Da ich aber mein Nudel-Bändchen abgeschnitten hatte, kam ich nun nicht mehr in die Wechselzone. Wie bitte? Da stand Pasta-Party drauf! Erst nachdem der "Chef" der Security mein Startnummern-Tattoo inspizierte und mich eindringlich darauf hinwies, dass ich dieses heilige Bändchen niemals hätte abschneiden sollen und ich mir umgehend ein neues holen müsse, durfte ich passieren. Völlig aufgelöst stand ich nun an der Information, die wiederum sauer auf die Security waren, weil es nämlich keine Bändchen mehr gab. Haha. Das kann ja ein Spaß werden, wenn ich zum zweiten Mal in die Wechselzone muss um starten zu können, dachte ich mir. Und dann waren wir auch noch spät dran. Also im Laufschritt zum Auto und wieder zurück. Diesmal kam ich einfacher an der Security vorbei - zum Glück. Anders hätten es meine Nerven nicht mehr ausgehalten. Dann den After-Race-Beutel abgeben. Wo steht mein Rad? Nicht bei meiner Startnummer. Himmel, was hab ich da gestern denn gemacht? Zum Glück bemerkte ich es rechtzeitig und platzierte das Rad nun im richtigen Startblock. Da waren Teresa und Manu! Einmal drücken. Seid ihr nun auch nervös? Alles klar, dann geht das Neo Anziehen los. Kuss für den Freund, der fünf Minuten vor uns startet und nun echt spät dran war. Wo waren Manu und Teresa? Und wieso sind hier alle aus der 6:55 Startergruppe? Anscheinend war ich auch "echt spät dran". Also durchquetschen nach vorne. Ganz schön viele Menschen bzw. Frauen hier. Endlich, hier sind auch Damen aus meiner Startergruppe. Also ab ins Wasser und die drei Minuten abwarten. Am besten platziere ich mich eher am Rand der Gruppe, dann werde ich nicht überschwommen. Die Nervosität sinkt. Ein gutes Gefühl.  Startschuss. Und los gehts! Auch Unterwasser muss ich grinsen. Nicht zu viel geben am Start, such dir einen guten Wasserschatten. Kräfte einteilen. Wie lang war die erste Strecke nochmal? 800m? Und bloß nicht den Chip verlieren! Irgendwie klappt das mit dem Wasserschatten nur bedingt gut. Bin ich es vielleicht zu schnell angegangen? Ich schwimme mal weiter, bis ich einen passenden Schattengeber gefunden habe. Hier könnte es klappen. Aber die Dame schwimmt sehr viel Zickzack - oder bilde ich mir das ein? Wohl nicht... Aber immerhin sammeln wir schon die ersten Männer ein. Ruhig sollte ich schwimmen, immerhin kommen die beiden harten Disziplinen noch. Also gut. Da ist das Ufer! Ein bisschen mehr Beinschlag und raus aus dem Wassern. Neo auf, Beutel schnappen und ab ins Zelt. Beutelinhalt auskippen, Neo aus, Socken an, Schuhe an, alles in den Beutel rein, Gel aufreissen und zum Rad rennen. Zum Glück finde ich es direkt und schiebe es etwas unbeholfen zum Start. Los gehts! Ist es kalt? Ich weiß es nicht. Ich kann nur strahlen. So viele Menschen hier. Unglaublich. Alle jubeln, klatschen, rufen. Und ich mittendrin auf der Strecken. Das ist der Wahnsinn! Und schon sind die ersten 40km vorbei. Auf zum Gredinger Berg. Und da stehen Sie auch alle. Und ich bin immer noch am Überholen. Unglaublich, wie viele Frauen anscheinend vor mit aus dem Wasser gekommen sind. Immerhin kann ich sie jetzt einsammeln. Und auch die Männer. Das ist tatsächlich eine kleine Genugtuung ;). Da vorne ist der Solarer Berg. So viele Menschen! Ich hoffe es ist nicht so eng wie erwartet.. Wer war das? War das Inga? Was macht sie denn hier? Wie toll! Und da steht Wolfram! Ich glaub es nicht! Ist das geil! Zum Glück waren ein paar langsamere Fahrer vor mir, somit konnte ich nicht überpacen. Endlich oben, weiter fahren. Trinken. Essen nicht vergessen. Läuft super. Zweite Runde war dann etwas zäher. Der Wind frischte auf, nicht mehr so viele Zuschauer und das krampfartige Grinsen ließ endlich nach. Konzentrieren, fahren, nicht auspowern. Aber immer wieder überholen. Das macht Spaß. Kurzer Ratsch mit einem älteren Agegrouper. Netter Mann, sah ich nachher noch öfter auf der Strecke. Langsam kommt mir die Strecke länger vor. Und steiler. Zum Glück gibts auch mal Wasser zwischendrin. Die Gels konnte ich mir gut einteilen, ebenso die Riegel. Und gut vertragen habe ich sie. Ich fühlte mich fit, stark. Die letzten paar Kilometer bis zur Wechselzone! Und dann war sie da. Das Radfahren ging doch schnell vorbei, das hätte ich nicht gedacht. Super! Rad abgeben, Beutel greifen, ab ins Zelt. Schuhe aus, Schuhe an, Käppi an, Hydrogels in die Taschen und los. Ahh, hier gibt es noch Toilletten, die nutze ich doch schnell um zu checken, wie es dem Bauch geht. Alles gut! Also los gehts! Gleich am Anfang stand das Team Zoot. Und Annick hat angefeuert. Sehr gut! Beine sind nicht schwer und fliegen nur so! Ich muss die Geschwindigkeit rausnehmen, sonst kommt der Mann mit dem Hammer. Irgendwie drücken die Schuhe. Dabei hab ich die Speedlaces so oft geprüft. Vielleicht klappt es ja doch so. Und dann sah ich ihn: Jan Frodeno auf seinen letzten 6km auf dem Weg zum Ziel. Was eine Motivation! Was für ein Riese er ist. Irgendwie schaffte ich ein "Go Frodo" und lief voller Motivation weiter. Nach 4km traf ich Wolfram mit meiner Verpflegung. "Wie gehts dir?" Meine Antwort war eine kurze Umarmung und ein "passt". Dankend nahm ich die zusätzlichen Hydrogels und machte mich auf den Weg. Wie ging es Basti? Wo waren Teresa und Manu? Die Pace fühlt sich gut an. Könnte ich halten. Aber jetzt muss ich die Speedlaces weiter machen, die Füße sind schon taub. Sind die echt so geschwollen? Dann gabs das erste Gel für mich. Rennen fühlte sich gut an. Immer wieder nahm ich Schwämme und Wasser. Dann traf ich nach der ersten Schleife Teresa. Gut schauts aus. Kurzer Gruß und ein Lächeln. Sie hatte anscheinend auch noch Spaß daran. Und dann kam Manu, auch sie sah gut aus. EIne bekannte Stimme: da sitzt ein Freund von uns am Rand und feuert uns an. Das gibt nochmal Kraft. Und dann, ich kann es kaum glauben (sollten sie nicht in Österreich sein?): Tom und Petra. Ein Schulterklopfen, ein kurzes Mitlaufen und ein riesiges Grinsen im Gesicht. Ich kann es kaum glauben, sie sind da! Die nächsten Kilometer gingen gut vorbei. Bald erreichte ich Kilometer 30 - weiter war ich noch nie am Stück gelaufen. Im Kopf rechnete ich mir immer wieder aus, wie ich die Pace verändern könnte, um immer noch unter 4h zu laufen. Aber es geht, der Schmerz war da, klar. Das hatte ich erwartet. Aber er war auszuhalten und wurde nicht mehr. Also weiterlaufen. Nochmal ein Gel, einen Keks dazu. Und natürlich Schwämme. Endlich ging es zurück in die Stadt. Weit kann es nicht mehr sein, ich bin in meinem letzten 5km-Päckchen. Hier eine Kurve, da eine Kurve. Und immer wieder Menschen, die begeistert anfeuern. Fühlt sich gut an. Zumindest was ich noch mitbekomme. Langsam registrierte ich, dass ich auf den letzten 2,195km der Challenge bin. Ein Lächeln ist noch nicht drin.  Dann das große Banner auf der Strecke, bevor man ins Stadion läuft. Kann das wirklich sein? Bin ich tatsächlich schon so weit? Die Menschenmassen nahm ich kaum noch wahr. NIcht über den unebenen Teppich stolpern. Und dann kommt es: das Grinsen ist wieder da, ich kann die Zeitangabe im Ziel sehen. Und laufe durch. Im Ziel musste ich mich setzen, oder eher hinlegen. Tom und Petra waren da, zusammen mit Luccio. Wir hatten Tränen in den Augen, selten war ich so glücklich und stolz auf mich. Kurz danach kamen Teresa und Manu. Wir waren alle überglücklich und stolz auf unsere Leistungen. Und schon jetzt steht fest: nächstes Jahr wieder!